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Zeugnis eines nichtjüdischen messianisch Gläubigen: Reinhold Tenk. „Mein Weg zum Gott Israels, der weder schlummert noch schläft“

1. Die Anfänge <

Ich heiße Reinhold Tenk, bin 61 Jahre alt und wohne in Ostwesfalen-Lippe in der Nähe von Lemgo.

Meine Beziehung zu dem Gott Israels ist einmalig wie der Weg aller Menschen, die zum Vertrauen zu Gott gefunden haben, und zeugt von der Liebe, aber auch von der Treue Gottes, der „weder schlummert noch schläft“.

Ich bin in Frankreich kurz nach dem letzten Weltkrieg geboren. Mein Vater, ein deutscher Marinesoldat, war als Kriegsgefangener in Frankreich geblieben und heiratete dort. Kurz nach meiner Geburt wurde ich wie damals üblich in der katholischen Kirche getauft. Meine Eltern entschlossen sich, zurück nach Deutschland ins Ruhrgebiet zu gehen, das sich damals in den Aufbaujahren befand und noch von Ruinen geprägt war. Für meine Mutter, die bisher nur in der Bretagne, einer vom Meer geprägten, sehr grünen Gegend mit wenig Industrie, gelebt hatte, war es nicht einfach, dorthin zu ziehen. Die Ehe meiner Eltern hielt leider nicht lange, und vier Jahre später zog meine Mutter mit mir und meinem kleineren Bruder zurück nach Frankreich. Dort ließ sie sich scheiden.

So wuchs ich in der Bretagne auf, die, was die Religion betrifft, katholisch und sehr traditionsgebunden ist. Obwohl die Religion für meine Mutter im Familienleben keine Rolle spielte, prägte die römisch-katholische Religion meine ganze Jugend. Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kleinkind schon darüber nachdachte, was passiert, wenn man stirbt. Der Gedanke, dass man nicht weiter existiert, was für mich unfassbar und rief eine Art Schwindelgefühl in mir hervor. So zog ich für mich den Schluss, dass es einen Gott und eine Art Leben nach dem Tod geben muss. Jeden Abend sagte ich das „Vater Unser“, das meine Großmutter mich gelehrt hatte. Ich ging zum römisch-katholischen Religionsunterricht für Kinder, feierte meine erste Kommunion und dann meine Firmung. Meine Schulzeit verbrachte ich zum größten Teil in verschiedenen Internaten, da es in dieser Gegend wenig weiterführende Schulen gab. [….]

> 5. Auf dem Weg zum verheißenem Land <

Während unserer Zeit in Bayern und in Nordrhein-Westfalen haben wir verschiedene Gemeinden kennen gelernt und festgestellt, dass es innerhalb der Christen viele Glaubensrichtungen gibt. Durch unsere Anfänge in Bayern waren wir pfingstlich geprägt und lernten aber auch andere Gemeinden kennen, die viel „nüchterner“ waren und in einer ganz anderen Tradition standen. Die Zeit des Kindesalters war jetzt vorbei, und wir fingen an, uns Fragen zu stellen, genauso wie junge Leute, die lernen, Entscheidungen zu treffen. Bei mir wuchs allmählich eine Art Unbehagen angesichts der unterschiedlichen Auslegung des Wortes Gottes und mir wurde die Warnung von Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus immer wichtiger: „Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.“ (Eph 4:14) Den Galatern stellt er die Frage: „Wer hat euch bezaubert …?“ (Gal 3:1) Das Wort bezaubert klingt in unseren Ohren wie aus einer anderen Zeit; heute könnte man auch manipuliert sagen. Die große Gefahr dabei ist, dass wir es oft nicht merken. Wir werden blind, wie Jesus sagte. Deswegen ist das Wort Manipulation für die Gefahr, der wir ausgesetzt sind, sehr treffend. So entstehen Traditionen oder Menschenüberlieferungen. Der Schluss, den ich daraus zog, war: „Wenn du Jesus, das Wort Gottes, ein Licht auf meinem Weg bist, dann zeig mir, was richtig oder falsch ist. Ich will mich jetzt nur auf das Wort Gottes konzentrieren und die Meinung von Menschen nicht mehr für so wichtig halten.“

Meine Haltung fand ich bestätigt, als ich einmal das jüdische Neue Testament von David H. Stern las. Eine ganz neue Welt eröffnete sich vor meinen Augen, eine Welt, wo Jesus in einem jüdischen Kontext lebte, und die mein Verständnis von dem Wort Gottes grundlegend veränderte. David Stern ist ein Jude, der Jesus als den Messias (Christus) erkannt hat. Dafür gibt es den Begriff Messianischer Jude. Bisher hatte ich die Bibel gelesen, als wäre sie ausschließlich für Christen geschrieben, wobei die Schriften des Alten Bundes eine untergeordnete Rolle spielen. Nach und nach begriff ich, dass Jesus, der eigentlich Jeschua hieß (= JHWH ist Rettung), zu seinem Volk, den Juden, sprach, und ihnen offenbarte, dass er der Messias ist, das Pessach-Lamm, das einzig vollkommene Opfer, das und den Weg zu Gott frei macht. Das spielte sich im Rahmen des jüdischen Glaubens ab, nicht im Rahmen des Christentums, wie ich dachte. Da fragte ich: „Kam Jeschua, um eine neue Religion neben dem Judentum zu gründen? Sagt er ein einziges Mal, dass wir als Heiden zum Christentum konvertieren müssen, während er selber Jude war und sich nie davon losgesagt hat?“ Ich fand aber in seinen Worten nur: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr kämpft und beladen seid, und ich will euch Ruhe geben.“ (Matth 11:28), oder: „Ich bin der Weg – und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14:6) Mir wurde es klar, dass wir zum jüdischen Maschiach kommen müssen, und zwar als „aufgepfropfte Zweige“, die ihre Kraft nur von reichen Wurzeln des Ölbaums ziehen können – genau so wie das Volk Israel (s. Römer 11: 16-21). Nirgendwo steht, dass Gott sich entschieden hätte, einen neuen Ölbaum zu pflanzen. Paulus warnt uns sogar eindringlich davor, den Juden gegenüber überheblich zu sein: „Doch wenn manche von den Zweigen abgebrochen wurden und du – ein wilder Ölzweig – aufgepfropft wurdest und nun teilhast an der reichen Wurzel des Ölbaums, dann rühme dich nicht, als seist du besser als die Zweige! Sondern wenn du dich rühmst, denke daran, dass nicht du die Wurzel erhältst, sondern die Wurzel dich. So wirst du sagen: ‚Zweige wurden abgebrochen, damit ich aufgepropft würde.‘ Das stimmt, aber was soll’s? Sie wurden abgebrochen wegen ihres Mangels an Vertrauen. Du aber behältst deinen Platz nur, weil du vertraust. So sei nicht hochmütig; im Gegenteil, fürchte dich! Denn wenn Gott schon die natürlichen Zweige nicht verschonte, wird er dich ganz gewiss nicht verschonen!“ (Rö 11:17-21). Als ich mich mit der Geschichte der Kirche in den ersten Jahrhunderten beschäftigte, stellte ich fest, dass doch sehr bald alles Jüdische aus der Kirche entfernt wurde. Während am Anfang in Jerusalem beraten wurde, wie die Gläubigen aus den Heiden (die Griechen) in der Gemeinde integriert werden sollten, kam es in den folgenden Jahrhunderten zu der absurden Situation, dass die Gläubigen aus den Heiden alles Jüdische aus ihren Reihen verschwinden ließen und freien Raum für einen antisemitischen Geist ließen, der im Laufe der Jahrhunderte immer heftiger wurde. Dazu kamen noch viele Einflüsse und Praktiken aus heidnischen Kulten. Sollte ich weiter daran festhalten, dass die Überlieferungen des Christentums vor Gott richtig sind? Das wollte ich nicht, auch wenn diese Entscheidung der etablierten Meinung vieler Christus-Gläubigen konträr ist.

Das Abendmahl (Seder) erhielt in seinem jüdischen Kontext eine neue Dimension. Ich entdeckte die jüdischen Feiertage wieder, und zwar in ihrem Zusammenhang mit dem Maschiach. Ich entdeckte auch die Geschichte der christlichen Kirche mit all dem Leid, das sie im Laufe ihrer langen Zeit dem Volk Gottes zugefügt hat. Wie konnte die frühe Gemeinde, die in ihren Anfängen so gesegnet war, sich zu einer solchen weltlichen Macht entwickeln? Mir wurde klar, dass alle christlichen Konfessionen – trotz Reformation – Erben dieser Vergangenheit sind. Aber Gott hat alles in der Hand und hat es trotzdem möglich gemacht, dass ich durch die christliche Kirche die Frohe Botschaft von Jeschua hörte. Hat Gott nicht auch (durch Josef) die Ägypter gebraucht, um sein Volk schließlich ins gelobte Land zu führen?

Ich möchte hiermit allen Menschen Mut machen, die verzweifelt sind und nach dem inneren Frieden suchen. „Siehe, nicht schläft noch schlummert der Hüter Israels.“ (Ps 121:4) Er hat in seiner Liebe zu uns entschieden, dass durch sein Volk und seinen Maschiach Errettung zu uns, dem Nicht-Volk, kommen soll (Joh 4:22). Vergessen wir nicht, dass in dem Friedensreich des Maschiach alle Gläubigen aus seinem Volk und aus den Nationen gemeinsam das Laubhüttenfest in Jerusalem feiern werden. (Sach 14:16)

lesen sie das ausführliche Zeugnis von dem nichtjüdisch messianisch Gläubigen Reinhold Tenk

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