Mein Shabbat

Warum Sein Sabbat auch mein “Schabbes” wurde – Zeugnis und Lehre in neun Absätzen,

von Marita Sara Meyer
(Religionswissenschaftlerin / Jüdische Studien)

(in Auszügen)

Einleitung

Eigentlich sollten im Folgenden nur meine ganz persönlichen Sabbatimpressionen zeugnishaft vorgestellt werden. Aber dann habe ich all jene mich persönlich begeisternden Anschauungen, Erkenntnisse und historischen Entwicklungen über diesen göttlich gebotenen Ruhetag mit hinein genommen. Beginnen werde ich mit einem kleinen Abstecher in die frühe Kirchengeschichte. Dies ist mir wichtig, da die Urgemeinde aus Jesus gläubigen Juden und später nach Einsetzen der Mission unter den Nichtjuden sich immer mehr Gläubige aus den Völkern dazu gesellten. Doch leider hatte diese Symbiose nur wenige Jahrhunderte Bestand. Menschliche Willkür zerstörte sie und falscher, fataler Eifer des Kirchenklerus führten schließlich zur theologischen Enteignung der Juden. Doch trotz dieser durch Arroganz verursachten Missstände, hat Gott alles unter Kontrolle. ER ebnete den Weg für eine sich über Jahrhunderte vollziehende Restauration geistlicher Wahrheiten, die in letzter Konsequenz abermals zusammenführen werden, was zusammen gehört. Ein großer Teil des Aufsatzes beschäftigt sich daher mit der Vorstellung, dass der Sabbat zu einem Bindeglied zwischen Juden und Christen werden könnte. Zitate über den Geist des Sabbat, derer jedes einzelne eine Liebeserklärung ist, bekundet durch einen der größten jüdischen Philosophen des vergangenen Jahrhunderts, runden diesen Versuch einer Darstellung meiner persönlichen gedanklichen Prioritäten zum Sabbat ab.

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VII. Thesen aus Luchterhandts “Die Juden – Das auserwählte Volk Gottes”

Hans-Friedrich Luchterhandt hat in seinem Buch “Die Juden – Das auserwählte Volk”[14] eine interessante These für die verschiedenen Wege von Juden und Christen aufgestellt. Die folgenden Passagen sind weitgehend seiner in Buchform verfassten Abhandlung entnommen.

Er argumentiert, dass die Vorstellung Gott habe einen Sohn, eine gewaltige Zumutung für das überlieferte Gottesverständnis des jüdischen Volkes gewesen sei. Es müsse den Juden als eine gotteslästerliche Idee erschienen sein, da sie seit Jahrtausenden täglich im Sch’ma Israel beteten “Gott ist Einer!” (5. Mose 6,5) Man bedenke nur die Macht all dieser Gebete!

Für Nichtjuden, in deren Seelensubstanz kein einheitliches Gottesbild existiert habe, sondern noch der vielgestaltige Götterhimmel herrschte, sei die Seelenpalette noch gänzlich “unbemalt” gewesen. Aus diesem Grund wäre es für die Nichtjuden viel einfacher gewesen, sich dem HERRN zu öffnen als er ihnen von den Jüngern Jesu gebracht wurde, argumentiert Luchterhandt.

Ist es nicht so, meine ich, dass wir den Juden ihre Gesetzlichkeit um die Ohren warfen, obwohl es unter den Christen weitaus größere Moralprediger und verurteilende Gesetzesmenschen zu finden sind. Hätten wir Jesus, unseren Heiland, wirklich im Herzen getragen und die Juden mit brüderliche Liebe behandelt, hätten wir sie vielleicht “zur Eifersucht reizen” können (Röm 10, 19). Sie beteten zum selben Gott, der jeden von uns und jedes Volk seinen Weg führt. Hier sei darauf hingewiesen, dass Völker Aufgaben haben. Es ist von Nutzen, die Geschichte der Völker und ihre positiven wie negativen Leistungen heraus zu filtern. Man wird feststellen, dass Gott bestimmte Völker immer wieder in ähnlicher Weise gebraucht, aber darauf soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.

Völker gehen an Gottes Hand wie jeder einzelne, der sich willentlich in die Obhut des HERRN begibt. Niemand gab uns das Recht, die sogenannte “Halsstarrigkeit” der Juden anzuprangern. Niemand kann aus eigener Kraft heraus den Messias erkennen (Mt. 16,17), sondern nur weil es ein Gnadengeschenk des HERRN ist, erkauft durch das Opfer des geistigen Erstgeburtsrechts. Jakob vor Esau. Ephraim vor Manasse. Doch zurück zu Luchterhandt, der seine Leser auf eine Warnung Paulus aufmerksam macht, die Heiden sollen sich nicht über die Juden erheben, schließlich sei ihnen in der Schrift gesagt, die geistliche Blindheit Israels würde weichen sobald die Vollzahl der Nichtjuden den Weg zum Erlöser gefunden hätte. (Röm 11,25-26).

“Wenn aber einige Zweige heraus gebrochen wurden und wenn du als Zweig vom wilden Ölbaum in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist und damit Anteil erhieltest an der Kraft seiner Wurzel, so erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Erkenne die Güte Gottes und seine Strenge! Die Strenge gegen jene, die gefallen sind, die Güte aber gegen dich, sofern du in seiner Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgehauen werden.” Römer 11,17,18+22

Hier stellt sich die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Israels Blindheit für den Messias und dem Erkennen des Messias durch die Nichtjuden? Luchterhandt stellt die Vermutung in den Raum, dass wir gerade diesem Blindsein für den Messias eine große Dankesschuld gegenüber den Juden haben. Erkenntnis des Messias habe niemand aus eigener Kraft, sondern oftmals dadurch, dass jemand für ihn bete. Dies könne nicht erkauft werden, sondern würde durch Gebet in unser Herz gelegt.

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Dies führt den Autor zur nächsten Frage. Was hat das mit den Juden zu tun, die Jesus nicht als ihren Messias erkennen können? Er stellt fest, dass das jüdische Volk vierzig Jahre nach der Kreuzigung Jesu seines Landes vertrieben wurde, “zerstreut unter alle Völker”. Doch gingen sie nicht unter, sondern lebten weiterhin nach den Gesetzen des Mose, verehrten und ehrten Gott durch die Einhaltung der Tora, wie einst in Israel. Sie beteten weiterhin für ihre Erlösung. Für sich selbst – und für die Nichtjuden in ihrer Umgebung, für uns! Sabbat für Sabbat sei in den Synagogen aus der Tora gelesen worden, die Psalmen wurden gebetet, ferner wurden in jüdischen Häusern die Sabbatlichter angezündet, die jüdischen Feste gefeiert sowie der Sehnsucht nach Ankunft des Messias Ausdruck verliehen und schließlich – für das Heil der Völker gebetet. Ps. 86., Jes. 45, 20-24

Überall, wo im Laufe der Jahrhunderte die christlichen Missionare hinkamen, seien die zerstreuten Juden schon längst dort gewesen, oft einige Jahrhunderte zuvor, hätten Gemeinden gebildet und – gebetet! Gebetet, dass die Völker den Gott Israels erkennen möchten. Und gerade diesen Gott predigten die christlichen Missionare! Die Juden hätten den Seelenboden derart zubereitet, dass die Völker “Christen” werden konnten. Sie schufen die seelischen Verbindungen und durchsäuerten wie der Sauerteig, mit dem Jesus in seinem Gleichnis das Himmelreich vergleicht (Mt 13,33; Lk 13,21). Sie gaben die geistliche Kraft, damit die Erde mit dem Geist der Liebe, der Erkenntnis des wahren Gottes gesalzen werden konnte.

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Der HERR hat aus beiden eins gemacht, durch seinen ewig gültigen Opfertod. Als HERR des Sabbats ist die Einhaltung von diesem für beide – Juden wie Christen- verbindlich. Die Juden stehen in der Welt allein. Sie wollten leben, um ihren Dienst vor dem HERRN zu verrichten, aber dann brach über die Jahrhunderte wieder aus heiterem Himmel eine Katastrophe über sie herein. In den letzten Jahrzehnten haben Christen in Wort und Tat ihre Solidarität mit dem jüdischen Volk erklärt. Für ein geistliches Zusammenwachsen reicht dies aber nicht aus. Die Einhaltung des Sabbats, wie in Jes. 56 angesprochen, lässt uns Teilhaber des Landes Israel werden. Die Sabbateinhaltung der Christen bewirkt, dass Kraft mit in den geistigen Ölbaum hineinfließt, bindet Juden und Christen enger zusammen. Verbunden werden die eingepfropften Zweige durch ihren gemeinsamen Glauben an den Gott, der ihnen den Sabbat zu halten geboten hat. In Kol. 2,17 wird verkündet, dass der Sabbat ein Schatten der zukünftigen Dinge ist.

http://www.gods-sabbath.de/sabbat/sabbat-marita-meyer/

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